BURGLENGENFELD. Wer beim FC Bayern einen „Fuß in die Tür“ bekommen und Erfolg haben möchte, muss schon besondere Qualität vorweisen. Denn die Ansprüche beim Rekordmeister lassen keine Kompromisse zu. Das hat schon manch Profi-Kicker und -Trainer, der sich für höchste Aufgaben berufen fühlte, leidvoll erfahren. Und was für sportliche Leistungen gilt, dürfte für den Bereich abseits des Spielfeldes ebenso zutreffen.

Umso stolzer ist nun ein Wackersdorfer Unternehmer, der sich in Burglengenfeld niedergelassen hat, in den Kreis der erlauchten Geschäftspartner aufgenommen worden zu sein. Die Rede ist von Mario Weinfurtner und seiner Firma United Products, die sich auf die Herstellung von Bank- und Gutscheinkarten spezialisiert hat. Seit kurzem darf Weinfurtner auch die Karten für Mitglieder des Fußballchampions produzieren. 300000 Menschen aus aller Welt sind aktuell registriert, jede Woche kommen bis zu 5000 hinzu!

Den richtigen Zeitpunkt erwischt

Mario Weinfurtner mit dem „Begrüßungspäckchen“ für ein FCB-Mitglied. Foto: Rieke

Weinfurtner öffnet einen (natürlich roten) Begrüßungskarton, in dem die personalisierte Mitgliedskarte von Herrn Mustermann verschickt wird. Es enthält ein Panoramabild von der Fußballarena in Fröttmaning, einen Rabattflyer mit Porträts von Arjen Robben und Thomas Müller, ein „persönliches“ Schreiben an den Empfänger, eine Anstecknadel – und einen Fan-Schal. Letzteren produziert United Products freilich nicht selber, der wird geliefert.

Wie der Deal mit dem FCB zustande kam? Weinfurtner hat ein Gespür für passende Momente. Der 49-Jährige, der seine berufliche Karriere als Elektriker begann, sich zum Betriebswirt fortbildete, das Abi nachholte und 2015 dem Ganzen mit einem Master die Krone aufsetzte, klopfte in der Säbener Straße an, als der Vertrag des Mitbewerbers gerade auslief. Die Einladung ließ nicht lange auf sich warten, und nachdem Weinfurtner sein Konzept präsentiert hatte, war der Kontrakt, von Uli Hoeneß persönlich unterschrieben, schnell in trockenen Tüchern. Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

Rote Fenster sind nur Zufall

Dass Weinfurtner aus purer Freude über seinen jüngsten Erfolg die Fenster in seinem Firmensitz an der Schmidmühlener Straße bayernrot streichen ließ, ist natürlich ein Scherz. Tatsächlich waren sie schon in dieser Signalfarbe, als Unternehmer das Objekt 2010 von E.ON übernahm. Weinfurtner hatte 2006 seine erste eigene Firma gegründet („Sales & Solutions“), zog dann nach Wackersdorf, um schließlich nach Burglengenfeld zu wechseln. „Das Gebäude passte für mich perfekt, außerdem gibt es hier Erweiterungsmöglichkeiten.“

Voraussetzung für die Erfüllung des Großauftrags des FC Bayern war die Anschaffung einer Mailing-Maschine (Foto: Rieke). Sie dient der Massen-Postsendung, welche persönlich adressiert ist. Foto: Rieke

Voraussetzung für die Erfüllung des Großauftrags des FC Bayern war allerdings die Anschaffung einer neuen sogenannten Mailing-Maschine. Sie dient der Massen-Postsendung, welche persönlich adressiert ist.

Mario Weinfurtner hat, wie sein kurz skizzierter Bildungsweg erkennen lässt, eine spannende Karriere hingelegt. Ganz entscheidend war seine Zeit beim Maschinenbauer Mühlbauer in Roding, dessen Hauptsegment der Security-Markt für die personenbezogene Identifikation auf Basis von Chipkarten oder Reisepässen ist.

Erfolge: Mitarbeiterin Julia Haug (2. v. l.) absolvierte 2017 ihre Abschlussprüfung zur Groß- und Außenhandelskauffrau mit Bravour. Die IHK ehrte sie als Landesbeste. Darüber wurde United Products von Focus Business zum „Wachstumschampion 2018“ gekürt. Foto: Stadt Burglengenfeld

Es ist rund zwanzig Jahre her, da bekam Weinfurtner bei Mühlbauer ein wegweisendes Projekts übertragen: Für die Bundesdruckerei sollte er die Umstellung auf den Kartenführerschein managen. „Das hat ganz gut geklappt.“ Wenig später wurde er nach Kanada entsandt, um die Voraussetzungen für eine Firmenübernahme zu checken. Auch hier urteilte er richtig. Als „Sales und Business Direktor“ besaß Weinfurtner schließlich als junger Mann einen Job, der neben guter Bezahlung auch Zufriedenheit garantieren sollte.

Doch irgendwann reifte der Wunsch, sich selbstständig zu machen – und von den gewonnenen Erfahrungen direkt zu profitieren. „Frei zu gestalten und selbst etwas zu produzieren, das hat mich schon immer gereizt.“ Mit der Herstellung von Geldkarten sollte sich für Weinfurtner ein Kreis schließen: Hatte er einst entsprechende Maschinen nur vermarktet, so dienen sie ihm nun zur Umsetzung seiner eigenen Geschäftsidee.

Der Wackersdorfer setzte auf das richtige Pferd. Immer mehr Handelsketten führen diese Geldkarten ein, um Kunden an sich zu binden. United Products beliefert Dutzende namhafter Unternehmen. Dank fortschrittlicher Technologien an verschiedenen Produktionsstandorten kann die Firma täglich sage und schreibe 5000000 Karten bereitstellen.

Produziert werden außer Bank- und Gutscheinkarten auch Tank-, Hotel- und Eintrittskarten sowie Besucherausweise, Kofferanhänger und Zugangskontrollkarten. Täglich können bis zu 5 Millionen Stück bereitgestellt werden. Foto: Rieke

Produziert werden außer Bank- und Gutscheinkarten auch Tank-, Hotel- und Eintrittskarten sowie Besucherausweise, Kofferanhänger und Zugangskontrollkarten. Täglich können bis zu 5 Millionen Stück bereitgestellt werden. Foto: Rieke

Angesichts solcher Zahlen ist es gut möglich, dass jeder in seinem Portemonnaie mindestens eine Karte aus dem Hause United Products stecken hat. Doch die Produkte können auch kritisch gesehen werden, sind sie doch aus Plastik. Und was passiert mit ihnen, wenn sie ausgedient haben? Sind sie dann nicht Teil des Mülls, in dem wir zu versinken drohen? Weinfurtner ist sich der Problematik bewusst, hat aber eine Antwort. Ein paar Klicks auf seiner Fernbedienung, und auf einem Monitor sehen wir, dass es längst die kompostierbare Karte gibt. Dem PVC ist ein Stoff beigemischt, der unter bestimmten Bedingungen einen umweltfreundlichen Zersetzungsvorgang auslöst. 30 Prozent der Karten werden laut Weinfurtner bereits mit dem Siegel der Nachhaltigkeit hergestellt.

Nicht nur deshalb ist er überzeugt, dass sich die Plastikkarte auch gegen jede Smartphone-App behaupten wird. „Einiges wird sich verschieben. Aber die Karte bleibt.“

 

© Text / Fotos: Artikel vom 07.09.18 – Thomas Rieke, Mittelbayerische Zeitung
https://www.mittelbayerische.de/region/schwandorf-nachrichten/den-fc-bayern-als-partner-gewonnen-21416-art1688480.html